10 Minuten, und ein Leben lang

  1. Kapitel 1.1.1991 (ein Tag wie jeder andere...?)

O.k. ich gehe jetzt wie jeden Tag nach dem Aufstehen unter die Dusche und esse dann mein Frühstück, herrlich der Tag beginnt wie man es sich nur wünschen kann, na ja fast. Draußen liegt noch der Rest von dem Schnee, der in den letzten tagen alles abgedeckt hatte, nun nicht mehr weiß und weich sondern schmutzig und hart, so dass jeder Schritt auf ihm unsicher und rutschig ist, es kracht dann so schrecklich, dass es mir bis ins Mark dringt! Ein tiefes dunkles Krachen ist es...vielleicht liegt es an mir, aber seit ich vor 5 Jahren Schlittschuh lief und einbrach ist das Geräusch brechenden Eises eine Qual für mich. Während ich so nachdenke pfeift plötzlich und unvermutet der Teekocher, und durchbricht die herrschende Stille wie ein Lichtstrahl die Nacht. Piiiiiiiiiiip, oh man ich drehe noch durch...drei Stunden Schlaf...und nun dieses Pfeifen! Nun schmiere ich meine Brote, Salami? Nein Käse, Käse ist besser, oder meinet wegen auch Marmelade...drei Teelöffel Zucker für den Tee! Ich erinnere mich noch düster an die Zeit wo ich nur noch Kaffee hatte, gerade an meinem Geburtstag, warum? Es war schrecklich, ich hasse Kaffee!! gerade als ich in diesen trostlosen Gedanken versinken will sehe ich auf die Uhr...nun folgt das tägliche Schema:

- Tür auf, Aktentasche greifen, los geht’s...

- Tür zu, merken das Aktentasche keinen Inhalt hat, kurz überlegen...

- Tür versuchen aufzuschließen, mit dem Schlüssel, der natürlich noch im Wohnzimmer auf  dem Tisch liegt...

- wieder kurz überlegen

- Tür versuchen Schmerzen zu zufügen, durch kräftige Tritte...

- auf die Uhr sehn, sich künstlich und eigentlich mehr aus Tradition, als aus Überzeugung aufregen...

- Tür einen „ich-stehe-über-dir-Blick“ verpassen, und sich unheimlich wichtig und siegreich vorkommen...

und danach frage ich mich wie immer, warum ich immer warte bis ich für meinen Weg zur Arbeit nur noch 10 statt der benötigten 20 Minuten habe! Egal, diesmal schaffe ich den Bus und so stehe ich bald vor dem S-Bahn-Portal! Ich wohne alleine, wenn man Mauzie meine Katze mal nicht mitzählt, na ja, ich finde das Einsamsein ganz O.K. Meine Familie wohnt immerhin in Hamburg, und von Hamburg nach Berlin ist es eine ganz schöne Strecke! Wow, das erste mal die S-Bahn nicht verpasst...und nun 10 Stationen...! Bevor ich einsteige ärgere ich mich über den dicken Schaffner, wie jeden tag!

Ich steige ein, setzte mich und bemerke das mir eine Frau gegenübersitzt ich kann es nicht beschreiben, aber ich kann meinen Blick nicht von ihr wenden, ich bin gefangen und die Sekunden verstreichen wie Monate, als sie langsam den Kopf wendet kann ich in ihre Augen sehen. Etwas derart schönes sah ich nie zuvor, ich tauche tief in diese unendliche Schönheit und erstarre schier, als sie ihren blick nicht wendet, mich aber anlächelt! Minuten verstreichen...“Ludwigsstrasse“...quäkt die Stimme aus den Lautsprechern. Da steht die Frau auf, und der Zauber, der mich befallen hat bricht ab, wie ein Regenschauer, der von einem Wind davon geweht wird. Ich sehe sie an, und für einen Moment ist der Zauber wieder da. Aber dann Schließen sich die Türen...weg! ich weiß nicht was das war, ich glaub eine Sinnestäuschung, Liebe, obwohl DAS keine war, wer braucht schon Liebesquatsch? Davor muss man sich bewahren! Nun hält die S-Bahn...meine Arbeitsstelle...:

- aussteigen, Treppe hinunter gehen, merken das dass doch eine Station zu früh war...

- wieder zurückrennen, sehn das S-Bahn weg ist....sich ärgern

- irgendwie doch noch zur Arbeit kommen, und sich total dreckig fühlen

danach gehe ich stehenden Fußes nach Hause, und versuche nicht an jene Frau zu denken und an ihre Augen, warum? Warum muss ich an eine fremde Frau denken? So ein mist, und jetzt muss ich auch noch in meine eigene Wohnung einbrechen... Ein Glück habe ich einen Dietrich dabei( ich bin in eigenen Wohnungseinbrüchen ziemlich geübt)..30 min später komme ich tatsächlich rein und schließe hinter mir ab, ich fühle mich dann immer sicherer...greife in die Tasche um mir ein Taschentuch zu nehmen, als ich neben besagten Tempotaschentüchern, den Zweitschlüssel finde! Ich übergehe das, übergehe alles, ich will nur noch in mein Bett! Warum müssen Katzen immer in Betten liegen? Und warum kann mich Mauzie nicht leiden? Na gut, es existiert eine art Liebe zwischen uns, eine hassliebe! Mauzi hat, wenn sie etwas will, ihre eigenen Argumente(und sie will fast jede Sekunde etwas bestimmtes). Ich überlege und ziehe bald einen Schluss „Krallen sind schmerzhaft“...ich werde auf dem Sofa schlafen...vielleicht träume ich ja von der Frau...das soll nicht bedeuten das ich es gut heißen würde!

 

2. Kapitel 1.1.1991 (unerwartet, aber erwünscht)

 

Schneetreiben. Ich sehe in einen grauen Himmel, so grau wie ein grauer Himmel nur sein kann, da fragt man sich warum man überhaupt aufstehen sollte. Obwohl das im Januar fast jeden tag der fall ist, und aufstehen tue ich bei blauem Himmel, und Sonnenschein auch nicht gerne. Das frühstück ist lausig, und die Marmelade alle, zum glück wenigstens nicht der Tee...aber dafür der Zucker! Ach irgendwas muss ja schief gehen, oder? Mein Wecker hat nicht geklingelt, doofes ding, ich frage mich wozu ich einen Wecker habe, wenn das verfluchte ding seinen Geist aufgibt, nur weil ich ihn mal gegen die wand geworfen hab... hm... Drecksding! Ich bin halt nicht für Technik geboren....

-         Wecker aus dem Fenster werfen

-         das sofort wieder bereuen....

-         beim aufschlagen des Weckers einen schrei vernehmen....und sich im Abschluss beim Nachbarn entschuldigen, den der Wecker fast getroffen hatte...(wie gesagt auf die Technik ist kein verlass, was sind schon 2cm?)

ich rufe einige Entschuldigungshymnen runter,. Meine es zwar nicht so, aber wem schadet schon Freundlichkeit? Na ja...mir schon, zum mindestens meinen ego, aber was soll’s! Es kommt ein „leck mich, Arschloch“ herauf, und ich sehe die Angelegenheit damit besiegelt. Ich mache mich fertig, packe meine Tasche, nehme mein Geld und gehe los...na ja ich versuche es! Wer kam auf die glänzende Idee die Haustür von innen abzuschließen? Hm, ich versuche krampfhaft optimistisch zu sein, und das gelingt mir auch, fast, na ja bis ich zum S-Bahnhof komme und der überaus freundliche Schaffner mir entgegen kommt. Auf der ganzen Welt gibt es so einen Idioten kein zweites mal...ich hasse ihn zutiefst, warum? Ich weiß es selber nicht. Schon wenn er nur seine 380kg zu den schienen rollt! Ärgerlich setze ich mich in das Abteil, und denke an keine Frau, wer denkt schon an Frauen? Ich nicht....ich sehe auf...ich...da sitzt sie. Warum, frage ich mich, warum schafft es diese Person, diese unbekannte Person, mich fröhlich zu stimmen, nur durch ein blick? Ich möchte so gerne ihre Augen beschreiben. Sie sind wie zwei Seen, kristallklar und kalt...wie Spiegel, die alles schöne dieser Welt wiederzugeben vermögen. Auf ihren Oberflächen ist keine Regung auszumachen, und wenn ich in ihnen eintauchen, sie in mich aufnehme, dann spüre ich die liebe von ihrer schönsten Seite in mir. An des Ufers schönem Grüne steht ein wahrer Hein von Schilfrohr, und sie wiegen sich im wind....ich kann es nicht anders ausdrücken, aber ihre Augen sind für mich so einzigartig, wie ein Gefühl, dass man nur einmal in seinem leben hat. Als ich so da sitze, schießt mir ein Gedicht durch den kopf. Eher wie ein hauch von Nebel ist dieser Gedanke,

 

Der Mond stand am Himmel,
eine weiße Scheibe auf schwarzem Grund,
kalt und doch wunderschön,
geheimnisvoll und einsam.

Die Sterne um ihn,
und ihr Leuchte ist mir wie eine leise Melodie,
wertvoll ist ein jeder Blick,
jeder Moment unbezahlbar für mich.

Und es wird bald der Morgen anbrechen,
rot und mächtig, stolz und wunderbar steigt dann die sonne
über die Berge,
und wenn der letzte Vogel singt, lieblich und schön,
wird die Nacht wiederkommen.

...ich komme nicht weiter, viel zu bald höre ich die stimme, die verhasste stimme, des Ansagers! Sie steht auf, ungeachtet dessen, dass ich sie verzweifelt ansehe, warum geht sie nur? Merkt sie meine Qual nicht? Oder bin ich nur ein mitfahrender gast wie jeder andere auch? Ich bin erschüttert über meine eigenen Gedanken, will nicht weiter denken, und steige an meiner Station aus! 10 Minuten, warum nur 10 Minuten am tag? Warum steigt sie nicht früher ein? Oder steigt später aus? So mache ich mir einen kopf, aber komme nicht innerlich zur ruhe, werde von meinem Chef als „unnütz“ oder „Träumer“ bezeichnet. Auf meinem Schreibtisch stapeln sich Papiere, ich sollte die mal endlichen sortieren, oder sie zu mindestens in einer Schublade verstecken! Ich versuche letzteres aber alle Schubladen sind voll bis zum erbrechen. Ich lese mir eine Kopfzeile durch... 3.8.1987 ...ich höre auf zu lesen, seufze und stopfe die Datei schnell wieder in sein dunkles versteck. Im Anschluss auf die arbeit gehe ich in einen Supermarkt und kaufe mir einen neuen Wecker, und Katzenfutter! Zuhause angekommen will ich nur noch mich vor dem Fehrnsehr packen...aber Mauzi das verfluch....liebe Kätzchen liegt auf dem Sofa, und sieht mich mit einem gebieterischen blick an! O.k. dann halt eine heiße Milch und ins bett! Milch ist alle....Bier gibt es noch...ich hasse Bier! Verwende ich nur zum Haare waschen, hab nämlich gehört, dass das gesund sein soll!

Ich trinke Tee, Pfefferminztee, und lege mich endlich hin....ich hoffe ich träume....von dieser Frau...

Stille nacht, am Himmel der Mond....die Sterne um ihn umher, und sanftes licht auf allen blättern, auf allen Zweigen der bäume Sträucher. Nacht...tiefe....Nacht!